Januar 6th, 2011
Kalter Kaffee
Kalter Kaffee. Na super. Vor 10 Minuten war er noch heiß. Oder warm, je nachdem wie man die Temperatur dieser unnützen Kaffeemaschine im Büro definieren wollte.
Aber ständig über die Straße zu laufen um an halbwegs genießbaren Kaffee zu kommen, darauf hatte sie nun bei aller Liebe keine Lust. Da arrangiert man sich dann eben auch mit dieser Plörre. Mit genug Milch und Zucker hatte sie auch sogar etwas wie einen aushaltbaren Geschmack. Annähernd. Und auch nur wenn diese Plörre eben auch ihre Ausgangstemperatur beim Trinken besaß. Was ja mal wieder nicht der Fall gewesen war, weil Gerrit sie ja unbedingt brauchte. Er wusste nicht welche Krawatte er denn zu seinem Meeting tragen sollte. Und als seine persönliche Assistentin war es dann natürlich auch ihre Pflicht, ihm bei dieser höchst prekären Problemstellung zur Seite zu stehen.
Sie wurde eindeutig unterbezahlt, dafür dass sie dieses “Riesenbaby” bemuttern sollte. Dafür hatte sie eigentlich nicht studiert, nein. Das hätte sie sich ja auch eigentlich sparen können. Vielleicht wäre es besser einfach zu kündigen? Oder mit einer Kündigung zu drohen? Vielleicht würde er dann ja merken, dass er ohne sie aufgeschmissen wäre (denn scheinbar hatte er das immer noch nicht bemerkt). Oder aber er würde sie kündigen. Nein schlechter Plan. Zumindest nicht, ehe sie eine andere Stelle in Aussicht hatte. Ansonsten wäre sie ja völlig mittellos und müsste am Ende ihre Würde über Bord werfen und ihn bitten ihr den Job wiederzugeben. Selbst bei niedrigerem Gehalt. Nein, das wollte sie sich wirklich nicht antun müssen.
“Karla, könnten Sie mal eben diese Überweisung hier tätigen?”
Sie nickte und schnappte sich den Zettel. Wieder einmal 1000 € für das Freudenhaus, 3 Straßen weiter.
Sie kippte den kalten Kaffee weg.
